Seit 2015 begleitet unser Projekt seine Geschichte – eine Geschichte, die zeigt, was entstehen kann, wenn Mut, Ausdauer und Menschlichkeit zusammenkommen.
Als Herr Osso im Juni 2015 nach Deutschland kam, brachte er mehr mit als nur einen Koffer. Er brachte Wissen, Lebenserfahrung und den festen Willen, sich ein neues Leben aufzubauen. Im Oktober desselben Jahres lernten wir ihn in einem unserer Projekt-Sprachkurse kennen. Schon damals fiel er auf – nicht nur durch seine schnelle Auffassungsgabe, sondern auch durch seine außergewöhnliche Sprachvielfalt. Deutsch, Kurdisch, Arabisch, Russisch und Ukrainisch – Sprachen, die für ihn keine Barrieren, sondern Brücken waren.
Schon früh unterstützte er uns bei Veranstaltungen als Übersetzer. Er half anderen, sich zurechtzufinden, gab Orientierung und vermittelte zwischen Welten. Vielleicht auch, weil er selbst genau wusste, wie es sich anfühlt, neu anzukommen.
Sein ursprünglicher Traum war es, wieder als Apotheker zu arbeiten. Mit seinem Diplom in pharmazeutischer Chemie aus dem Jahr 2004 brachte er beste Voraussetzungen mit. Doch der Weg zur Anerkennung war lang und voller Hürden. Also entschied er sich, einen anderen Weg zu gehen – nicht leichter, aber selbstbestimmt.
Inspiriert von seiner unternehmerischen Erfahrung in der Ukraine wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. In Neubrandenburg eröffnete er das Café und Bistro „Aleppo“ – ein Ort, der weit mehr war als nur ein gastronomischer Betrieb. Es war ein Treffpunkt, ein Stück Heimat, ein Raum für Begegnung. Von 2018 bis Anfang 2025 war er dort unermüdlich im Einsatz. Mit Herz, Leidenschaft und einem offenen Ohr für jeden Gast.
Als er sein Unternehmen schließlich aus betrieblichen Gründen aufgeben musste, stand er erneut vor einem Neuanfang. Doch wer ihn kennt, weiß: Aufgeben gehört nicht zu seinem Weg.
An einem Donnerstag im Jobcenter kam es zu einer zufälligen, und doch so bedeutenden Begegnung mit einem unserer Projektmitarbeitenden. Schnell wurde klar, dass hier zusammenkommt, was zusammengehört. Seit März ist er nun Teil unseres Teams.
Und es fühlt sich an, als wäre er schon immer da gewesen.
Mit seiner Geschichte, seiner Energie und seiner besonderen Fähigkeit, Menschen zu erreichen, ist er für viele Teilnehmende ein echtes Vorbild. Er versteht ihre Herausforderungen – nicht aus Büchern, sondern aus eigener Erfahrung. Seine Sprachkenntnisse öffnen Türen, doch es ist vor allem seine Art, die Menschen bewegt: zugewandt, motivierend und voller Hoffnung.
Er ist mehr als ein Kollege geworden. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, was Integration bedeuten kann – nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Realität.
Wir sind dankbar, ihn seit so vielen Jahren zu kennen. Und heute sagen zu dürfen: Aus einem Teilnehmer ist ein Kollege geworden. Und aus einer Begegnung eine Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende ist.
Autoren: Projektteam, NordStart-Akademie
